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veröffentlicht am 25.08.2017

Abweichende Mindesthaltbarkeitsdaten bei Molkereiprodukten

Nachdem Greenpeace bereits bei zahlreichen Produkten unrealistische Mindesthaltbarkeitsdaten nachgewiesen hat, zeigt sich nun, dass bei der Kennzeichnung von Milchprodukten schwer erklärbare Unterschiede vorliegen. Den Gründen dafür ist Greenpeace nun nachgegangen.

Eine Umfrage unter den zehn größten österreichischen Molkereien hat ergeben, dass die Unternehmen gleiche Produkte offensichtlich mit unterschiedlichen Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) versehen. Bei ganz normaler industriell hergestellter Butter etwa kann sich das MHD um bis zu 45 Tage unterscheiden. Neben Butter haben wir auch für Naturjoghurt (3,6 Prozent), Schlagobers und für sogenannte länger frische Milch die jeweiligen „Haltbarkeitsfristen“ sowie die Gründe für die Festlegung von den Herstellern abgefragt. An unterschiedlichen hygienischen Standards in den Molkereien kann es jedenfalls nicht liegen, dass die Mindesthaltbarkeitsdaten voneinander abweichen. Aus dem Werk mit der am längsten haltbaren Butter kommt nämlich auch das am kürzesten haltbare Joghurt.

Woher kommen diese Abweichungen?

Als Gründe für die unterschiedliche Festlegung bei identen Produkten wurden von einigen Herstellern Wünsche des Handels bei dessen Eigenmarken genannt. Ein Beispiel sind die Fristen bei Spars Bio-Butter: Die 250-Gramm-Packung lässt Spar mit einer Frist von 55 Tagen versehen, die 125-Gramm-Packung hingegen mit 60 Tagen. Dabei sollte man meinen, dass gerade kleinere Butterpackungen empfindlicher sind, da diese schneller auf kurzzeitig höhere Temperatur reagieren. Unverständlich sind auch verlängerte MHD-Fristen bei exportierten Produkten.

Viele Lebensmittel überleben Mindesthaltbarkeitsdatum

Dass viele Lebensmittel weit über das MHD haltbar sind und somit häufig in einwandfreiem Zustand in den Müll wandern, zeigt auch unser Langzeittest. Seit Jänner 2017 haben wir acht Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, regelmäßig überprüfen lassen. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Ein getestetes Joghurt ist nach 26 Wochen weiterhin unbedenklich verzehrbar. Sechs der anderen sieben Lebensmittel, darunter Tofu, Eier und Wurst, haben auch deutlich länger gehalten, als es das MHD vermuten lässt.

Für ein realitätsnahes Mindesthaltbarkeitsdatum, gegen Lebensmittelverschwendung

Rund ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landet laut FAO jährlich zwischen Acker und Teller im Müll. Das ergibt eine unglaubliche Menge von 1,3 Milliarden Tonnen teils noch genießbarer Nahrung. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von Überproduktion, über zu hohe Anforderungen des Handels an Produktmerkmale, bis hin zu ungeplantem Einkaufsverhalten von Konsumentinnen und Konsumenten. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum ist mitverantwortlich für die Verschwendung. Durch unrealistische Mindesthaltbarkeitsdaten landen Lebensmittel in der Tonne, die einwandfrei sind. Um die Lebensmittelverschwendung zu verringern fordern wir realitätsnahe und vereinheitlichte Mindesthaltbarkeitsdaten.

Den Verbraucherinnen und Verbrauchern raten wir: Verlassen Sie sich speziell bei Milchprodukten auf die eigenen Sinne! Wenn ein Produkt das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, zuerst schauen, riechen und schmecken. So ist leicht zu erkennen, ob die Butter, das Joghurt oder der Schlagobers noch genießbar ist.

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