veröffentlicht am 17.11.2021

Gemeinsame Studie von Greenpeace, Ja! Natürlich und FiBL

Wie man mit seiner Ernährung das Klima schützen kann

Die Ernährung ist in Österreich für bis zu 30 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine gemeinsame Studie von Greenpeace Österreich, Ja! Natürlich und dem Forschungsinstitut FiBL zeigt jetzt, wie wir durch eine gesunde und fleischreduzierte Bio-Ernährung jährlich bis zu 5,3 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen könnten.

Bio-Lebensmittel sind nicht nur gesünder, sie helfen auch dem Klima © Tomas Halasz / Greenpeace

Bio und weniger Fleisch ist nicht nur gesünder. Es hilft auch dem Klima

Massentierhaltung, übermäßiger Fleischkonsum und der Einsatz von Stickstoff-Mineraldünger sind für große Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen bei Lebensmitteln verantwortlich. In Österreich wird drei Mal so viel Fleisch gegessen, wie für einen ausgewogenen gesunden Ernährungsstil maximal empfohlen. Unsere Studie “Klimaschutz und Ernährung” zeigt jetzt, dass durch weniger Fleisch am Teller, durch Bio-Produkte sowie eine regionale und gesunde Ernährung viel Einsparungspotential herrscht.

Die Umstellung einer Durchschnittsernährung hat viel Potential:

  • Reduktion des Fleischkonsums auf gesundes Maß: Einsparung von 28 Prozent der Treibhausgase
  • Vegetarische Ernährung: Einsparung von bis zu 47 Prozent der Treibhausgase
  • Vegane Ernährung: Einsparung von 70 Prozent der Treibhausgase
  • Bio-Ernährung: Einsparung von etwa 20 Prozent

Hochgerechnet auf ganz Österreich würde eine gesunde und fleischreduzierte Ernährung also 3,7 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen – das entspricht den gesamten Treibhausgasemissionen des Bundeslandes Salzburg. Mit einer veganen Ernährung könnten 9,2 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden – mehr als Wien jährlich an Treibhausgasen ausstößt. Eine vegane Bio-Ernährung könnten sogar 9,9 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden - so viel wie Wien und Burgenland gemeinsam jährlich an Treibhausgasemissionen verursachen.

Der Unterschied zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft

Biologische Landwirtschaft ist nicht nur ein Qualitätsmerkmal hochwertiger Lebensmittel, sondern schont auch Klima und Umwelt sowie fördert Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit. Biologische und konventionelle Produktion unterscheiden sich vor allem in ihren Vorschriften zu Tierhaltung, erlaubten Pflanzenschutz- sowie Dünge- und Futtermitteln. Die Bio-Landwirtschaft hat dadurch eine bessere Klimabilanz als die konventionelle. Im Gegensatz zur biologischen sind in der konventionellen Tierhaltung die verfütterten Sojafuttermittel große Treiber der Klimabilanz, da sie überwiegend aus Übersee importiert und zudem oft gentechnisch verändert werden. Die konventionelle Landwirtschaft setzt auf Stickstoff-Mineraldünger, die in der Produktion große Mengen fossiler Energie benötigen. Die biologische Landwirtschaft setzt stattdessen auf organische, schwer lösliche Düngemittel wie Stallmist und Kompost. Das fördert den Humusaufbau und bindet zusätzlich CO2. Dank der klimafreundlichen Düngung hat der Biolandbau gegenüber dem konventionellen um bis zu 90 Prozent geringere CO2-Emissionen pro Hektar Land. Der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (Pestizide) in der biologischen Landwirtschaft schont unsere Böden, Wasser und Biodiversität.

Wie hängen Fleischkonsum und Klimaschutz zusammen?

Tierhaltung und hoher Fleischkonsum verursachen bis zu 18 Prozent der globalen Treibhausgase. Der Fleischkonsum in Österreich ist mit 63 kg pro Person und Jahr um zwei Drittel zu hoch im Vergleich mit den aktuellen Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung von 16–23 kg pro Person und Jahr. Das hat neben gesundheitlichen Auswirkungen (von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu Krebs) nicht nur negative Folgen für das Klima, sondern auch auf die Versorgungssicherheit. Rund 60 Prozent der Ackerflächen in Österreich werden dazu verwendet, Futtermittel anzubauen. Rechnet man das Weideland hinzu, werden rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Österreich zur Ernährung von Nutztieren verwendet. Trotzdem importiert Österreich jährlich mindestens 500.000 Tonnen Soja-Futtermittel. Und das zu großen Teilen aus Übersee, wo die Zerstörung wertvoller Ökosysteme wie des Amazonas-Regenwalds für Tierhaltung und Ackerbau die Klimakrise weiter anheizen.

So gelingt der Umstieg auf Bio-Ernährung ohne Mehrkosten

Gerade für Familien spielen natürlich die Kosten von Lebensmitteln auch immer eine große Rolle. Die Studie zeigt, dass eine vierköpfige Familie bei durchschnittlich gleichbleibenden Ausgaben den Bio-Anteil ihrer Ernährung um 70 Prozent steigern könnte, wenn sie auf eine gesündere Ernährung umsteigt und weniger Fleisch isst. Die Familie könnte dadurch 38 Prozent der verursachten Treibhausgase einsparen. Außerdem würde ihre gesündere Ernährung durch eine Reduktion von Fleisch der Arten- und Klimakrise entgegenwirken.

Soviel Treibhausgase kann man mit Bio-Ernährung einsparen

Für unsere Studie wurden vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) die Treibhausgas-Emissionen für Rindfleisch, Schweinefleisch, Eier, Milch, Hafermilch, Tofu, Brot, Tomaten und Äpfel untersucht.

Das sind die Ergebnisse zusammengefasst:

  • Bio-Produkte haben durchwegs eine bessere Klimabilanz als konventionelle. Eine biologisch regionale Produktion führt zu einer weiteren Einsparung von Treibhausgasemissionen.
  • Die konventionellen Produkte weisen, selbst wenn sie aus regionaler Produktion stammen, eine höhere Klimabilanz auf als die Bio-Produkte.
  • Bei Obst und Gemüse ist die Saisonalität wichtig für die Klimabilanz. So gibt es zwar im Winter Tomaten aus österreichischer konventioneller Produktion – sie kommen jedoch aus beheizten Glashäusern. Die Beheizung der Glashäuser verursacht mehr Emissionen als der Transport von Bio-Tomaten aus Italien oder Spanien.
  • Schweinefleisch zeigt besonders eindrucksvoll, wie Sojafuttermittel aus Übersee die Klimabilanz verschlechtern. Dieses Futter wird in der konventionellen Tierhaltung in enormen Mengen verwendet. Schweinefleisch aus Bio-Produktion weist pro Kilogramm 1,5 Mal niedrigere Treibhausgasemissionen auf als Schweinefleisch aus konventioneller Landwirtschaft.
  • Eier aus biologischer Produktion haben nur eine um fünf Prozent bessere Klimabilanz pro Kilogramm als konventionelle Eier. Dass diese Differenz weniger ins Gewicht fällt als bei den anderen tierischen Produkten, liegt daran, dass seit Jahren eierlegende Hühner in Österreich durchgängig nicht mehr mit Soja aus Übersee gefüttert werden.
  • Wer Bio-Milch statt konventioneller Milch kauft, kann 20 Prozent der damit verbundenen Treibhausgasemissionen einsparen. Besser noch ist der Griff zur Bio-Hafermilch, denn diese hat sogar eine um 70 Prozent geringere Klimabilanz als Bio-Kuhmilch.
  • Bio-Tofu weist als pflanzliches Produkt eine wesentlich geringere Klimabilanz auf als die tierischen Produkte. Kommt der Tofu aus regionaler Bio-Produktion, verringert sich die Klimabilanz um zusätzliche 40 Prozent.

Bio-Produkte schonen also das Klima in überragender Weise. Wir empfiehlen KonsumentInnen, seltener zu Fleisch zu greifen und öfter Gemüse, Hülsenfrüchte und Co. zu essen. Milchprodukte könnten durch Alternativen mit besserer Ökobilanz ersetzt werden (Hafermilch, Tofu, Nüsse beispielsweise). Statt Fisch gibt es pflanzliche Quellen für Omega-3-Fettsäuren wie zum Beispiel Leinöl. Fast 90 Prozent der Speisefische sind bereits bis an die Grenze genutzt oder überfischt. Wer Fisch essen möchte, greift am besten zu heimischem Bio-Fisch.

Verantwortung darf nicht nur bei KonsumentInnen liegen

Auch wenn wir als KonsumentInnen Einfluss auf die angebotenen Produkte in Supermärkten haben: Die großen Rahmenbedingungen für eine zukunftstaugliche und klimafreundliche Ernährung liegen in der Verantwortung von Politik und Handel.

Greenpeace-Forderungen an die Politik

  • Greenpeace fordert von Landwirtschaftsministerin Köstinger einen ambitionierten Bio-Aktionsplan für den Ausbau der Bio-Landwirtschaft in Österreich von aktuell 26 Prozent auf mindestens 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bis 2030, da Bio umwelt-, klima- und biodiversitätsfreundlicher ist.
  • Eine Reduktion des Fleischkonsums und der Fleischproduktion in Österreich um 50 Prozent bis 2030, um landwirtschaftliche Flächen für die Sicherung einer regionalen und saisonalen Lebensmittelversorgung frei zu machen.
  • Förderung der Umstellung von intensiver Milchwirtschaft auf extensive Weidehaltung.
  • Eine drastische Reduktion von Futtermittelimporten insbesondere aus Übersee sowie den Ausschluss von Sojafuttermittelimporten aus Naturzerstörung.
  • Die eindeutige Kennzeichnung der Herkunft von Lebensmitteln und des Standards der Tierhaltung.
  • Eine Halbierung der Lebensmittelabfälle in Österreich bis 2030.
  • Die gezielte Förderung einer kleinteiligen und kleinstrukturierten Landwirtschaft.

Greenpeace-Forderungen an den Handel

  • Ausbau des Angebots von Bio-Produkten insbesondere aus regionaler und saisonaler Produktion.
  • Kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung starker Bio-Standards.
  • Ausbau des veganen und vegetarischen Angebots.
  • Kein Setzen von falschen Anreizen durch Aktionen oder übergroße Packungen, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren: Reduktion von Billigangeboten, von Gratisaktionen und Mehrstückpackungen, insbesondere bei leicht verderblichen Waren.
  • Ständige Verbesserung des Sortiments hinsichtlich Kennzeichnung von Herkunft und Haltung bei tierischen Lebensmitteln.
  • Konsequenter Ausbau von Mehrweg-Verpackungen.

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