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Beendet die Verschwendung

Marketing-Gags

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) scheint für jedes Argument zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung ein passende Gegenargument zu haben. Doch seine Argumentation hinkt! Wir haben für Sie jetzt seine gängigsten Marketing-Gags entlarvt.

  • Marketing-Gag 1: Ganzjähriges Vollsortiment

    Argument LEH: Die Kunden wollen ein ganzjähriges Vollsortiment an Obst und Gemüse (z. B. Erdbeeren im Winter).

    Gegenargument: Etliche Studien zeigen, dass Menschen oft impulsiv und intuitiv einkaufen, d.h. natürlich auch nach dem vorhandenen Angebot. Die „Erziehungsverantwortung“ liegt hier beim ressourcenstarken Handel – wird kein Vollsortiment angeboten, wird sich das Kaufverhalten der Kunden anpassen. Bevor exotische Früchte angeboten wurden, haben Konsumentinnen und Konsumenten diese nicht in Unmengen eigenständig angefragt/importiert.

  • Marketing-Gag 2: Vollsortiment bis Ladenschluss

    Argument LEH: Die Kunden wollen ein Vollsortiment (Brot/Obst/Joghurt) bis kurz vor Ladenschluss.

    Gegenargument: Der überwiegende Anteil der Menschen kauft bereits deutlich vor Ladenschluss ein, wodurch das Gebot des Vollsortiments und die damit verbundenen Nachteile für die Umwelt nur zur Gewinnsteigerung dienen.

  • Marketing-Gag 3: Kein unästhetisches Obst

    Argument LEH: Die Kunden wollen kein „unästhetisches Obst und Gemüse“ (krumme Karotte oder Gurke, kleiner Apfel, unförmige Kartoffel). Er will großes und vor allem schönes Obst und Gemüse, auch wenn es geschmacklich nicht mehr so aufregend ist.

    Gegenargument: Der Verkauf von Produkten unterliegt auch den derzeit üblichen Marketing-Strategien. Die Bedürfnisse einer Gesellschaft, die lieber visuell ansprechendes, aber geschmackloses Essen bevorzugt, müssen nicht weiter gefördert werden. Die Produktion hat die Verantwortung für den Anbau von gesunder Nahrung, der Handel ist zuständig für die Vermarktung und die Konsumentinnen und Konsumenten müssen dem Essen wieder die entsprechende Wertschätzung entgegenbringen.

  • Marketing-Gag 4: Kunden haben Gespür

    Argument LEH: Die Kunden haben ohnehin ein „natürliches Gespür dafür, was sie tatsächlich brauchen und auch aufessen können“ (Sie wollen deshalb 1+1-Gratis- und Multi-Pack-Angebote).

    Gegenargument: Wenn die Kunden dieses Gespür tatsächlich hätten, würden nicht 40 % der Lebensmittelabfälle in Österreich aus privaten Haushalten stammen. Das „Gespür für die richtige Menge an Essen“ ist in unserer heutigen Überfluss-Gesellschaft nämlich schon längst abhandengekommen. Die Marketingaktionen des Lebensmitteleinzelhandels verstärken unsere schlechten Gewohnheiten noch.

  • Marketing-Gag 5: Feldrebellen sind unerwünscht

    Argument LEH: Die Kunden wollen keine Feldrebellen (alias Kümmerlinge) im Sortiment, weil sie eine weitere Produktschiene nur verwirren würde.

    Gegenargument: Der Lebensmitteleinzelhandel lebt von der Entwicklung hin zu immer feineren Produktunterschieden – Mineralwasser mit 5 Geschmacksorten, Schokoladen mit unterschiedlichsten Zutaten, Nudeln und Reis in Unmengen an Kombinationen. Bei Obst & Gemüse eine Ausnahme zu machen wiederspricht dieser Logik.

  • Marketing-Gag 6: Sozialmärkte sind die Lösung

    Argument LEH: Wir haben kein Müllproblem, weil wir als Supermärkte fast alles an Sozialmärkte weitergeben.

    Gegenargument: Insgesamt wurden jährlich 6.600 Tonnen Lebensmittel von den Supermärkten gespendet, das sind 9 % des gesamten Supermarkt-Mülls oder 1 % des gesamten Lebensmittel-Müll

  • Marketing-Gag 7: Logistik ist top

    Argument LEH: Wir haben kein Müllproblem, weil unsere Logistik Top ist.

    Gegenargument: 35.600 Tonnen an Brot und Backwaren wurden 2013 an die Herstellerinnen und Hersteller retourniert und das Müllproblem damit schlicht ausgelagert.

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